Dienstag, 7. September 2010

Pflanzen aus der Retorte - der Streit um die grüne Gentechnik

Prof. Dr. Gerhard Wenzel, Dekan am Wissenschaftszentrum Weihenstephan, Anja Sobczak vom Münchner Umweltinstitut, Prof. Dr. Julia Welzel, Chefärztin am Allergiezentrum der Hautklinik Augsburg und Dr. Georg Kääb von der BioM Biotech Cluster Development GmbH im Gespräch mit Dr. Petra Herrmann.


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Viele Verbraucher stehen gentechnisch verändertem Obst- und Gemüse kritisch gegenüber oder lehnen solche Lebensmittel sogar komplett ab. Zu Recht - finden Verbraucherschutzorganisationen wie das Münchner Umweltinstitut, die immer wieder auf die Risiken von "Gen-Food" hinweisen und sich seit Jahren für eine bessere Kennzeichnung stark machen. Wissenschaftler dagegen sehen in der Technologie große Chancen. So könnten zum Beispiel Nutzpflanzen geschaffen werden, die höhere Erträge liefern, mit weniger Wasser auskommen oder nicht so anfällig für Pflanzenkrankheiten und Schädlinge sind. Ist die "grüne Gentechnik" somit nur die moderne Fortführung der klassischen Pflanzenzüchtung?


Seit mehr als zehntausend Jahren beschäftigt sich der Mensch damit, Wildpflanzen zu kultivieren - also nach seinen Vorstellungen zu verändern und zu verbessern. Bislang geschah dies vorwiegend durch Züchtung, durch das Kombinieren von Pflanzen nach bestimmten Qualitätskriterien. Seit jedoch Mitte der neunziger Jahre die Gentechnik in den Laboren der internationalen Agrarkonzerne zugelassen wurde, besteht die Möglichkeit, gezielt in das Erbgut von Nutzpflanzen einzugreifen. Dadurch ist es zum Beispiel möglich, innerhalb kürzester Zeit positive Eigenschaften hervorzuheben und negative auszuschalten. Auf diese Weise können Pflanzen exakt an ihre Umgebung angepasst werden. Ein großer Vorteil vor allem für Regionen, die von starker Trockenheit geplagt oder wo die Böden sehr nährstoffarm sind. Wenn die Weltbevölkerung wächst wie bisher und sich das Klima weiter verändert, führt kein Weg an der grünen Gentechnik vorbei - so die Befürworter.

Doch die gentechnische Veränderung von Pflanzen ist nicht ohne Risiko. Besonders Allergiker, deren sensibler Organismus oft wie ein Frühwarnsystem auf Umwelteinflüsse reagiert, könnten dadurch ernste Probleme bekommen. Da beim Eingriff in das pflanzliche Erbgut neue Eiweißstoffe entstehen können, gelangen auch neue, potentielle Allergene in die Nahrungskette. So haben Wissenschaftler in den USA vor einigen Jahren versucht, eine neue Sojabohnensorte mit höherem Nährwert zu entwickeln. Dazu wurde ein Gen eines Paranuss-Eiweißes isoliert und in das Soja-Erbgut eingeschleust. Doch die Paranuss gilt als ein starker Allergieauslöser. Weil das Allergierisiko bei den Zulassungstests zu groß war, musste die Entwicklung der Sojabohne wieder eingestellt werden. Auf der anderen Seite jedoch könnten durch Gentechnik auch Allergene gezielt ausgeschaltet werden. Bestimmte Pflanzen und Produkte würden dadurch für Allergiker erst genießbar.

Die USA sind der größte Produzent von gentechnisch veränderten Nahrungs- und Futtermittelpflanzen. Als häufigste "Genpflanzen" gelten Mais, Raps, Baumwolle und Soja. Verbraucherorganisationen suchen in Supermärkten deshalb gezielt nach Produkten, die Bestandteile dieser Pflanzen enthalten und aus den USA importiert wurden. Dabei entdecken sie auch auf dem deutschen Markt immer wieder gentechnisch veränderte Organismen, so genannte "GVO". Rechtlich ist gegen solche Produkte nichts einzuwenden, solange sie gekennzeichnet sind. Auch wird man davon natürlich nicht gleich krank. Allerdings gibt es bislang keine langfristigen Studien mit genveränderten Lebensmitteln beim Menschen - entsprechend wage sind die Erkenntnisse.

Welche Gefahren, aber auch welche Chancen in der grünen Gentechnik stecken - darüber diskutiert Petra Herrmann mit Prof. Dr. Gerhard Wenzel, Botaniker am Wissenschaftszentrum Weihenstephan, Anja Sobczak vom Münchner Umweltinstitut, Prof. Dr. Julia Welzel, Chefärztin am Allergiezentrum der Hautklinik Augsburg, sowie mit Dr. Georg Kääb von der BioM Biotech Cluster Development GmbH in Martinsried.

Hier ist das gesamte Gespräch

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