Die EU-Kommission hat dem Chemiekonzern BASF den Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel "Amflora" erlaubt. Die Industrie freut sich, Umweltverbände sind skeptisch.
© Bernd Wüstneck/dpa
Die Kartoffelsorte "Amflora" ist besonders stärkehaltig. Zum Verzehr ist sie nicht geeignet
Die Kartoffelsorte "Amflora" ist besonders stärkehaltig. Zum Verzehr ist sie nicht geeignet
Nach einem jahrelangen Streit um die genetisch veränderte Kartoffelsorte "Amflora" hat die EU-Kommission am Dienstag eine Entscheidung getroffen: Amflora darf für industrielle Zwecke in der Europäischen Union (EU) angebaut werden. Die dabei anfallenden Nebenprodukte seien als Futtermittel zulässig. Die Entscheidung sei auf Basis umfassender wissenschaftlicher Untersuchungen getroffen worden. Eine weitere Verzögerung des schon seit Jahren laufenden Genehmigungsprozesses sei nicht gerechtfertigt, erklärte EU-Gesundheitskommissar John Dalli.
Anzeige
Die Zulassung der genetisch veränderten Kartoffel zum großflächigen Anbau ist die erste dieser Art seit 1998. Das Verfahren läuft bereits seit 1996, doch Sicherheits- und Gesundheitsbedenken haben eine endgültige Entscheidung immer wieder herausgezögert. Verschiedene Umweltschutzorganisationen haben bis heute Zweifel an der Unbedenklichkeit der genetisch veränderten Pflanze.
Montag, 19. April 2010
MEHRHEIT FÜR GENTECHNIK
Ergänzung zu Conrad Seidls Leit-Artikel 17/18 Apr. 10. im Standard)
„Mehrheit für Gentechnik“ .
Eine Telefonabfrage ob die Gentechnik gut oder schlecht sei, ist an sich schon ein Unsinn. Denn wenn 100% der Befragten die Verbrechensbekämpfung mit Hilfe der Gentechnik gut finden und 100 % der Befragten die Gentechnik in der Landwirtschaft ablehnen, dann kann nicht daraus geschlossen werden das 50 % die Gentechnik gut finden. Es sind zwei verschiedene Anwendungen, die getrennt zu bewerten sind. Außerdem lässt dieser Autor alles weg, was nicht in seine Wunschvorstellung passt. Sehen wir uns doch die Tatsachen an, was hat die Gentechnik in der Landwirtschaft weltweit geleistet?
1.)Von den genveränderten Pflanzen sind ca. 90% giftresistent. Das erwähnt der Autor nicht einmal mit einem Wort. Das heißt die Pflanzen werden bis zu 7mal im Jahr mit Totalgift gespritzt und die Giftrückstände im Essen nehmen rasant zu.
2.) Die Pflanzen sind Insektenresistent . Dies wird bei ca. ¼ der Pflanzen angewendet. Dies hat den entscheidenden Nachteil, dass das in der Genpflanze selbst produzierte Gift- (das Toxin des Bazillus Thuringensis) zur Gänze auch von uns Menschen oder Tieren verzehrt werden muss. Das heißt, statt Mais essen wir dann reines Insektengift. Es wird weniger gespritzt das stimmt, aber wir essen trotzdem sehr viel mehr Gift, das wird verschwiegen.
3.)Vollkommen verschwiegen wird in diesem Artikel das Antibiotikumresistenzgen, das bei fast allen genveränderten Pflanzen verwendet wird. Dies hat den Nachteil, dass Antibiotika täglich gegessen, nicht mehr wirken.
Im Musterland der Gentechnik Indien, wurden durch die Gentechnik
tausende Bauern verschuldet und in den Selbstmord getrieben. (Durch höhere Saatgutkosten u. weniger Ernte) Durch das Absterben der Bodenorganismen, durch das Gift Roundup wird der Boden immer unfruchtbarer und die Pflanzen immer krankheitsanfälliger. In den USA sind zehntausend Menschen an genverändertem „Star Link Mais“ erkrankt und durch das genveränderte Tryptophan sind 36 Menschen gestorben und 1200 für immer gelähmt. (Siehe „Genetic Roulette“ u. „Trojanische Saaten“ von J. M. Smith)
volker@helldoff.biz Volker Helldorff DI. 9111 Haimburg 0676- 7293082
„Mehrheit für Gentechnik“ .
Eine Telefonabfrage ob die Gentechnik gut oder schlecht sei, ist an sich schon ein Unsinn. Denn wenn 100% der Befragten die Verbrechensbekämpfung mit Hilfe der Gentechnik gut finden und 100 % der Befragten die Gentechnik in der Landwirtschaft ablehnen, dann kann nicht daraus geschlossen werden das 50 % die Gentechnik gut finden. Es sind zwei verschiedene Anwendungen, die getrennt zu bewerten sind. Außerdem lässt dieser Autor alles weg, was nicht in seine Wunschvorstellung passt. Sehen wir uns doch die Tatsachen an, was hat die Gentechnik in der Landwirtschaft weltweit geleistet?
1.)Von den genveränderten Pflanzen sind ca. 90% giftresistent. Das erwähnt der Autor nicht einmal mit einem Wort. Das heißt die Pflanzen werden bis zu 7mal im Jahr mit Totalgift gespritzt und die Giftrückstände im Essen nehmen rasant zu.
2.) Die Pflanzen sind Insektenresistent . Dies wird bei ca. ¼ der Pflanzen angewendet. Dies hat den entscheidenden Nachteil, dass das in der Genpflanze selbst produzierte Gift- (das Toxin des Bazillus Thuringensis) zur Gänze auch von uns Menschen oder Tieren verzehrt werden muss. Das heißt, statt Mais essen wir dann reines Insektengift. Es wird weniger gespritzt das stimmt, aber wir essen trotzdem sehr viel mehr Gift, das wird verschwiegen.
3.)Vollkommen verschwiegen wird in diesem Artikel das Antibiotikumresistenzgen, das bei fast allen genveränderten Pflanzen verwendet wird. Dies hat den Nachteil, dass Antibiotika täglich gegessen, nicht mehr wirken.
Im Musterland der Gentechnik Indien, wurden durch die Gentechnik
tausende Bauern verschuldet und in den Selbstmord getrieben. (Durch höhere Saatgutkosten u. weniger Ernte) Durch das Absterben der Bodenorganismen, durch das Gift Roundup wird der Boden immer unfruchtbarer und die Pflanzen immer krankheitsanfälliger. In den USA sind zehntausend Menschen an genverändertem „Star Link Mais“ erkrankt und durch das genveränderte Tryptophan sind 36 Menschen gestorben und 1200 für immer gelähmt. (Siehe „Genetic Roulette“ u. „Trojanische Saaten“ von J. M. Smith)
volker@helldoff.biz Volker Helldorff DI. 9111 Haimburg 0676- 7293082
Montag, 15. März 2010
NEUE GENTECHNIKKARTOFFEL IN DER EU ZUGELASSEN !
Frau Dr. Bardocz die Hauptreferentin im Casimeum in Velden am 26. 02. war Forschungsleiterin im schottischen Rowett Institut und sollte beweisen, dass Gen-Nahrung ungefährlich ist. Nun kam aber das Gegenteil heraus.
Es konnte nachgewiesen werden, dass die Genveränderung selbst, katastrophale Veränderungen an den Versuchtieren hervorgerufen hat. Kleinere Hirne, kleinere Hoden und eine defekte Leber etc. Diese Forschungen wurden von 15 Wissenschaftlern weltweit bestätigt. Damit diese Ergebnisse nicht weiter bekannt werden, bekam A. Pustey u. Dr. Bardocz die Kündigung und ein lebenslanges Schweigegebot. Es wurde Ihnen eine Millionenklage angedroht wegen Geschäftsstörung.
Umso makabrer erscheint jetzt die EU-Zulassung der Genkartoffel Amflora. Damit ist unser Hauptnahrungsmittel betroffen. Diese Gen-Kartoffel ist nicht als Nahrung zugelassen, darf aber von unseren Nutztieren gefressen werden. Außerdem werden durch das Auskreuzen über den Blütenstaub unsere guten alten Saatgutsorten auch in den kleinsten Privatgärten genverändert. Damit kommt von zwei Seiten riskante Gentechnik in unsere Nahrung, ohne die Möglichkeit der Umkehr.
Die Gen-Fa. Bayer u. Syngentha, wurde vor kurzem in den USA zu einer hohen Strafe verurteilt Bayers Versuchsflächen sind ausgekreuzt und haben 30 % des amerikanischen Reises mit Gentechnik verseucht.
Durch die Verurteilung sind zwei Dinge endlich zu Tage gekommen:
Erstens: Gentechnik macht hohe wirtschaftliche Schäden . Durch den Zusammenbruch des Reisexportes ist ein Schaden von 1 Milliarde entstanden und zweitens: Das Geschwätz von der möglichen Koexistenz ist reiner Betrug.
Etwas Ähnliches ist auch in der USA passiert, als man den Industriemais Star Link zugelassen hat. Dieser landete trotzdem in den Regalen der Supermärkte und hat unter Anderem zu akuten Durchfall, Übelkeit u. Sprachstörungen geführt. Star Link Mais wurde zurückgerufen, geistert allerdings noch heute in allen möglichen US Maissorten herum, weil er nicht mehr herausgefiltert werden kann.
Da Gentechnik der Gesundheit und dem Klima schadet, gehört sie dringend verboten. Verbieten kostet nix.
Volker@helldorff.biz
Es konnte nachgewiesen werden, dass die Genveränderung selbst, katastrophale Veränderungen an den Versuchtieren hervorgerufen hat. Kleinere Hirne, kleinere Hoden und eine defekte Leber etc. Diese Forschungen wurden von 15 Wissenschaftlern weltweit bestätigt. Damit diese Ergebnisse nicht weiter bekannt werden, bekam A. Pustey u. Dr. Bardocz die Kündigung und ein lebenslanges Schweigegebot. Es wurde Ihnen eine Millionenklage angedroht wegen Geschäftsstörung.
Umso makabrer erscheint jetzt die EU-Zulassung der Genkartoffel Amflora. Damit ist unser Hauptnahrungsmittel betroffen. Diese Gen-Kartoffel ist nicht als Nahrung zugelassen, darf aber von unseren Nutztieren gefressen werden. Außerdem werden durch das Auskreuzen über den Blütenstaub unsere guten alten Saatgutsorten auch in den kleinsten Privatgärten genverändert. Damit kommt von zwei Seiten riskante Gentechnik in unsere Nahrung, ohne die Möglichkeit der Umkehr.
Die Gen-Fa. Bayer u. Syngentha, wurde vor kurzem in den USA zu einer hohen Strafe verurteilt Bayers Versuchsflächen sind ausgekreuzt und haben 30 % des amerikanischen Reises mit Gentechnik verseucht.
Durch die Verurteilung sind zwei Dinge endlich zu Tage gekommen:
Erstens: Gentechnik macht hohe wirtschaftliche Schäden . Durch den Zusammenbruch des Reisexportes ist ein Schaden von 1 Milliarde entstanden und zweitens: Das Geschwätz von der möglichen Koexistenz ist reiner Betrug.
Etwas Ähnliches ist auch in der USA passiert, als man den Industriemais Star Link zugelassen hat. Dieser landete trotzdem in den Regalen der Supermärkte und hat unter Anderem zu akuten Durchfall, Übelkeit u. Sprachstörungen geführt. Star Link Mais wurde zurückgerufen, geistert allerdings noch heute in allen möglichen US Maissorten herum, weil er nicht mehr herausgefiltert werden kann.
Da Gentechnik der Gesundheit und dem Klima schadet, gehört sie dringend verboten. Verbieten kostet nix.
Volker@helldorff.biz
Sonntag, 14. März 2010
Problem der Bienenzucht in der Nähe von Genmaisfeldern wird von den Medien kaum erwähnt!
Die Medienpädagogische Woche des Instituts für Medienverantwortung hat in der zweiten Gesprächsrunde diskutieren lassen, welche Themen in den Medien (k) eine Chance haben. "Mensch und Umwelt auf verlorenem Posten?" , so die Frage.
Dazu hatte Geschäftsführerin des Insituts, Sabine Schiffer, den Präsidenten des Europäischen Berufsimkerverbandes, Walter Haefeker, sowie die Journalisten Herbert Fuhr (Nürnberger Nachrichten) und Sebadian Jutzi (Focus) in die Volkshochschule eingeladen. Haefker verwies auf die Problematik der Bienenzucht insbesondere in der Nähe von Genmais-feldern. Koexistenz von genmanipulierten Pflanzen mit "normalen" sei unter anderem nicht möglich, weil die Bienen den Unterschied nicht kennen und auch Pollen von genmanipulierten Pflanzen zum Produzieren von Honig sammeln. Er nannte dazu Beispiele und Aktionen der Imker, darunter den Transport von durch Genmais geschädigten Bienenstöcken vor die Bayerische Staatskanzlei, und das Vernichten von nicht lebensmitteltauglichen, weil mit Genmais-Pollen verunreinigten, Honig. Diese und andere Aktionen seinen seiner Meinung nach in der Presse nicht genügend gewürdigt. Den Jounalisten wurde auch vorgehalten, sie würden das (durch Genmais verusachte) Bienensterben nicht genügend behandeln. Sebasian Jutzi konterte, es könne sich ja auch um eine Imkersterben handeln und betonte ebenso wie Herbert Fuehr, dass ihre Medien häufig über das Bienensterben berichtet hätten.
Haefeker jedoch argwöhnt, dass die Quellen - oft auch Studien - der Journalisten häufig von der Industrie beeinflusst werden. "Wenn es um viel Geld geht, ist es mit der unabhängigen Wissenschaft vorbei". Er stimmte aber zu, dass es schwierig sei, abzuprüfen, welche Quellen seriös seinen und welche manipuliert.
Während Focus offenbar viel über Datenbanken recherchiert, vertraut Herbert Fuehr mehr den persönlich bekannten Ansprechpartnern und der Erfahrung. Zudem lasse er immer beide Seiten zu Wort kommen, wodurch die Berichterstattung ausgewogener werde. Informationen möglichst vieler kompetenter Ansprechpartner seien für eine saubere Berichterstattung grundlegend, bestätigten beide Medienvertreter. Oft werde jedoch versucht, die Medien zu instrumentalisieren. Deshalb würden Informationen niemals unbesehen übernommen.
Das streitbare Publikum verteilte teilweise heftige Medienschelte und Moderatorin Monika Frielinghaus von "Verein zur Hilfe umweltbedingt Erkarankter" hatte es schwer, ordnend einzugreifen. Dabei zeigte sich auch, wie Sebatian Jutzi sagte, dass die Leser "gern die eigene Meinung" bestätigt sehen. Was es für unabhängige Journalisten nicht eben einfacher macht. kds
15.11.2008
© ERLANGER NACHRICHTEN
Dazu hatte Geschäftsführerin des Insituts, Sabine Schiffer, den Präsidenten des Europäischen Berufsimkerverbandes, Walter Haefeker, sowie die Journalisten Herbert Fuhr (Nürnberger Nachrichten) und Sebadian Jutzi (Focus) in die Volkshochschule eingeladen. Haefker verwies auf die Problematik der Bienenzucht insbesondere in der Nähe von Genmais-feldern. Koexistenz von genmanipulierten Pflanzen mit "normalen" sei unter anderem nicht möglich, weil die Bienen den Unterschied nicht kennen und auch Pollen von genmanipulierten Pflanzen zum Produzieren von Honig sammeln. Er nannte dazu Beispiele und Aktionen der Imker, darunter den Transport von durch Genmais geschädigten Bienenstöcken vor die Bayerische Staatskanzlei, und das Vernichten von nicht lebensmitteltauglichen, weil mit Genmais-Pollen verunreinigten, Honig. Diese und andere Aktionen seinen seiner Meinung nach in der Presse nicht genügend gewürdigt. Den Jounalisten wurde auch vorgehalten, sie würden das (durch Genmais verusachte) Bienensterben nicht genügend behandeln. Sebasian Jutzi konterte, es könne sich ja auch um eine Imkersterben handeln und betonte ebenso wie Herbert Fuehr, dass ihre Medien häufig über das Bienensterben berichtet hätten.
Haefeker jedoch argwöhnt, dass die Quellen - oft auch Studien - der Journalisten häufig von der Industrie beeinflusst werden. "Wenn es um viel Geld geht, ist es mit der unabhängigen Wissenschaft vorbei". Er stimmte aber zu, dass es schwierig sei, abzuprüfen, welche Quellen seriös seinen und welche manipuliert.
Während Focus offenbar viel über Datenbanken recherchiert, vertraut Herbert Fuehr mehr den persönlich bekannten Ansprechpartnern und der Erfahrung. Zudem lasse er immer beide Seiten zu Wort kommen, wodurch die Berichterstattung ausgewogener werde. Informationen möglichst vieler kompetenter Ansprechpartner seien für eine saubere Berichterstattung grundlegend, bestätigten beide Medienvertreter. Oft werde jedoch versucht, die Medien zu instrumentalisieren. Deshalb würden Informationen niemals unbesehen übernommen.
Das streitbare Publikum verteilte teilweise heftige Medienschelte und Moderatorin Monika Frielinghaus von "Verein zur Hilfe umweltbedingt Erkarankter" hatte es schwer, ordnend einzugreifen. Dabei zeigte sich auch, wie Sebatian Jutzi sagte, dass die Leser "gern die eigene Meinung" bestätigt sehen. Was es für unabhängige Journalisten nicht eben einfacher macht. kds
15.11.2008
© ERLANGER NACHRICHTEN
Montag, 14. Dezember 2009
GENSOJA IN BRASILIEN - FLUCH ODER SEGEN?
Brasilien ist in den letzten 20 Jahren weltweit zum zweit wichtigsten Produzenten von Soja und zum wichtigsten Sojaschrotlieferanten aufgestiegen. Entwaldung, Zunahme des Pestizideinsatzes, Zerstörung der Lebensgrundlage von indigenen Völkern und Kleinbauern, Landkonzentration, Sklavenarbeit, Landflucht und Zunahme der Armut auf dem Land sind Auswirkungen, die eine andere Seite der Sojamonokultur deutlich machen. Nach dem BSE Skandal in Europa gewann der Sojaimport an Bedeutung, denn Sojaschrot stellt den billigsten Ersatz für das inzwischen verbotene Tiermehl dar. Allein in Deutschland werden jährlich 3 Mio. Tonnen Sojaschrott importiert.
Die Landwirtschaft prägt die Geschichte und die Wirtschaftsstruktur Brasiliens. Diese Tatsache hängt mit der kontinentalen Größe des Landes, der Verfügbarkeit über enorme Naturressourcen und den sehr unterschiedlichen Klimazonen zusammen, die eine riesige biologische Vielfalt hervorgebracht haben und den Anbau der meisten Pflanzenarten der Welt ermöglichen. Diese natürlichen Potenziale wurden seit der Kolonisierung des Landes durch die Portugiesen erkannt, die nach der Vertreibung und Vernichtung großer Teile der indigenen Bevölkerung mit der wirtschaftlichen Ausnutzung begannen. Die Entdeckung von Edelmetallen und Edelhölzern sowie der danach folgende Anbau von Monokulturen wie Zuckerrohr, Kaffee, Kakao und Baumwolle, – offiziell bis 1888 noch mit dem Einsatz afrikanischer Sklaven durchgeführt –, bestimmen die meisten Exporte Brasiliens, u.a. nach Europa bis in die Gegenwart.
Die im 20. Jahrhundert begonnene kapitalistische Modernisierung der brasilianischen Landwirtschaft hat diese Wirtschaftsstruktur nicht aufgelöst. Im Gegenteil, sie basiert auf einer exportorientierten Strategie von Regierungen, um internationale Devisen zu erlangen und dadurch die Industrialisierung des Landes voranzutreiben. Insbesondere ab den 1950er Jahren wird neben den bekannten Monokulturen eine aus Asien stammenden Pflanze angebaut, die schrittweise zum inzwischen wichtigsten Exportprodukt Brasiliens wurde: die Sojabohne Glycine max, die seit Jahrtausenden in China gezüchtet wurde und dort breite Verwendung in der Ernährung findet. Riesige internationale Kredite wurden aufgenommen, um die Sojamonokultur einzuführen und den Bauern durch ein von der Regierung neu errichtetes Genossenschaftssystem subventioniert zur Verfügung gestellt. Die Bedingungen zur Bereitstellung der Kredite waren dennoch klar: Sie sollten zur Einführung der Sojaproduktion im Verbund mit dem Einsatz „moderner“ Agrartechnologien beitragen.
Brasilien: Gensoja-Feld
Infolgedessen wurden Maschinen und Ausrüstungen, modernes Saatgut, chemischeDüngemittel und Pestizide eingesetzt mit dem Ziel, die Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft und die Agrarexporte des Landes zu steigern. Ein Detail, das einen wichtigen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen dem Technikeinsatz und der Sozialstruktur gibt, besteht darin, dass die zunehmende Sojaproduktion durch die selben landwirtschaftlichen Genossenschaften vermarktet wurde, die den Bauern gleichzeitig Agrarberatung anboten und Betriebsmittel bereitstellten.
Damit große Flächen mit Soja zu geringen Kosten angebaut werden können, wird stark auf den Einsatz der Gentechnik gesetzt. Mit der Hoffnung, die Unkrautbekämpfung durch die Anwendung von Herbizid und geringerem Arbeitseinsatz zu erleichtern, zu verbilligen und dadurch den Ertrag zu steigern, wird in immer größerem Umfang die herbizidresistente Soja angebaut. Indem gentechnisch verändertes Saatgut jedoch als Eigentum eines Agrarkonzerns patentiert ist und durch die Verseuchung von Feldern eine herkömmliche Produktion verhindert wird, wird die Abhängigkeit der Bauern von technischen Inputs vollständig.
Durch das Inkrafttreten der Patentrechte der Pflanzenzüchter wurde für die großen Chemiekonzerne der Weg zur Kontrolle des Saatgut-Chemikalienmarktes geöffnet. Die Konzerne streben danach, die Landwirtschaft durch zu industrialisieren und die Abhängigkeit der Bauern von den Chemikalien zu intensivieren. Mit Hilfe der Gentechnik wird versucht, Pflanzensorten zu entwickeln, die den Verkauf von Chemikalien besser stimulieren können. Das neue Saatgut soll besonders bei Bauern in den Entwicklungsländern durch Angebote eingeführt werden, die sie nicht ablehnen können, und zu Preisen, die sie nicht bezahlen können. Damit die Gentechnik sich als Sachzwang in der lateinamerikanischen Landwirtschaft durchsetzen konnte, wurde mit der Taktik begonnen, zunehmend Felder durch eingeschmuggeltes Saatgut zu kontaminieren.
Monsanto - Gensoja in Brasilien: Fluch oder Segen?In diesem Sinne wird die Strategie von Monsanto in Brasilien gezielt durchgesetzt, und sie vollzieht sich in folgenden Schritten: a) Bauern an das Herbizid gewöhnen, was seit Anfang der neunziger Jahre mit der Methode der „direkten Aussaat“ im Gange ist; b) staatliche Forschung beeinflussen, besonders durch die Finanzierung von Forschungen und Forschungseinrichtungen sowie durch die Verbindung zu den Forschungsinstituten und deren Leitungen; c) Saatgutbetriebe im Inland aufkaufen und monopolisieren; d) ein Gebiet auswählen und Kontamination erwarten (in diesem Fall ist Argentinien das ursprüngliche Gebiet für Lateinamerika und das Bundesland Rio Grande do Sul innerhalb Brasiliens); e) Wissenschaftler und Politiker gezielt für die Interessen des Konzerns gewinnen; f) ein Netz von Agrarberatern partnerschaftlich durch die Gründung von Beratungsunternehmen einrichten, die im Auftrag des Konzerns oder durch dessen Finanzierung arbeiten; g) riesige Werbekampagnen durchführen, besonders im Fernsehen, in Radio und Zeitungen; h) erfolgreiche Bauern als Musterbetriebe in den ländlichen Gemeinden auswählen und u.a. mit Studienreisen unterstützen; i) vollendete Tatsachen schaffen, wodurch kritische Argumente in der Öffentlichkeit an Bedeutung verlieren; j) günstige Angebote für Herbizide und Saatgut machen (also zunächst frei von Lizenzgebühren); k) gesetzliche Rahmenbedingungen durch Lobbyarbeit bzw. Einfluss auf Parlamente und Regierungen erzwingen; l) Partnerorganisationen für die Kontrolle gewinnen: Die Genossenschaften und weitere Agrarunternehmen, die für den Aufkauf der Produktion und die Versorgung mit Betriebsmitteln (insbesondere Saatgut und Herbizid) zuständig und bereit sind, für einen Anteil der Einnahmen bei den Bauern die Zahlung von Lizenzgebühren einzufordern.
Durch die Konzentration im Bereich der Agrargentechnik wächst das Forschungs- und Investitionspotenzial der Agrarkonzerne, die durch ihre oligopolistische, marktbeherrschende Stellung bei der Preisbildung für neue technische Produkte ausschlaggebend sind und die Entscheidungen der Bauern bei der Auswahl und dem Einsatz von Technik beeinflussen. Das Expansionspotenzial der Agrarindustrie im Bereich der Technikforschung macht die Investitionen in der Landwirtschaft insofern attraktiv, als es durch die Patentrechte möglich ist, einen bedeutenden Anteil der Resultate der Entwicklung der Produktivkräfte privat anzueignen. Das Weiterbestehen der Kleinbauern wird in diesem Kontext als Marktchance zum Angebot technischer Produkte gesehen und nicht komplett vernichtet, solange es dem Kapital noch nützlich ist, d.h. solange es zu dessen Akkumulation beiträgt.
Die Existenz der Kleinbauern als individuelle Produzenten wird durch den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft in dem Maße erschwert, wie sie durch die schleichende gentechnische Verseuchung gezwungen werden, der Strategie der Agrarkonzerne zu folgen. Diese vertieft die Abhängigkeit, Verschuldung und Verarmung der Kleinbauern, deren tendenzieller Ausschluss vom Produktionsprozess die Landkonzentration vertieft, die Landflucht beschleunigt und die Zahl von Landlosen und zugleich Arbeitslosen erhöht, eine Tendenz, die stark zur wachsenden sozialen Ungleichheit in Brasilien beiträgt. Vor diesem Hintergrund ist die gegenwärtige Ausbreitung der Gentechnik in der Sojaproduktion zu beobachten, die seit 1999 durch eingeschmuggeltes Saatgut aus Argentinien in den Grenzgebieten stattfindet.
Bauern, die in Brasilien noch auf kleinen Anbauflächen produzieren, werden durch die Ausbreitung der Genpflanzen am meisten betroffen. Passen sie sich der neuen Technologie an, werden sie noch abhängiger von den Konzernen, und die Mehrheit von ihnen wird wahrscheinlich vom Produktionsprozess zu Gunsten der Großproduzenten ausgeschlossen. Leisten sie Widerstand, besteht dennoch die Gefahr, dass ihre Grundfläche von den Genpflanzen der Nachbarn kontaminiert wird, was es für sie unmöglich macht, herkömmliche Sorten zu produzieren.
Biohazard - Gensoja in Brasilien: Fluch oder Segen?Der Einsatz der Gentechnik in der brasilianischen Sojaproduktion intensiviert die Freisetzung von Destruktivkräften, die sich zugleich auf Natur und die auf dem Lande arbeitenden und lebenden Menschen auswirken. Die Privatisierung von natürlichen Ressourcen und von Wissen zugunsten multinationaler Agrarkonzerne und Großgrundbesitzer vertieft die soziale Ungleichheit in der brasilianischen Gesellschaft, und die Chancen des Widerstands durch die individuellen Kleinproduzenten und Verbraucher werden erheblich eingeschränkt. Während das Kapital, insbesondere Betriebsmittel, Kredite sowie die Verarbeitungs- und Vermarktungsstruktur landwirtschaftlicher Produktion zunehmend monopolisiert werden, stehen die selbst arbeitenden Bauern unter dem Druck, mit Hilfe von Technik untereinander um ihr Überleben zu konkurrieren. Die kleinbäuerliche Familienlandwirtschaft neigt dazu, sich aufgrund der angeblichen Arbeitserleichterung und -ersparnis an die beschriebene interessengeleitete Technikentwicklung anzupassen und dadurch zerstört zu werden. Der Biosojaanbau stellt aufgrund der herrschenden Agrarstruktur keine umfassende Alternative für die Familienbetriebe dar, und mögliche Perspektiven der Agrarökologie hängen stark von einer Zunahme genossenschaftlicher Organisation von Kleinbauern und Konsumenten ab. Gerade weil die in der Landwirtschaft zusammenhängenden ökonomischen, ökologischen und sozialen Probleme die materielle Existenz der Kleinbauern bedrohen, könnten kollektive Ansätze eine Chance eröffnen. Die Selbstorganisation der von der kapitalistischen Modernisierung der Landwirtschaft betroffenen Menschen würde einen gemeinsamen Lern-, Politisierungs- und sozialen Mobilisierungsprozess erlauben, der die Voraussetzung für eine andere Entwicklungsdynamik wäre.
Antônio Inácio Andrioli, geb. 1974 in Südbrasilien, ist Dozent an der Unijuí, Brasilien, sowie am Institut für Soziologie an der Johannes Kepler Universität Linz, Österreich. Antonio.Andrioli@jku.atDiese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.
Bücher des Autors zu dem Thema:
ANDRIOLI, Antonio Inácio: Biosoja versus Gensoja: Eine Studie über Technik und Familienladwirtschaft im nordwestlichen Grenzgebiet des Bundeslandes Rio Grande do Sul/Brasilien. Frankfurt am Main: Peter Lang, 348 Seiten. ISBN 978-3-631-56113-3
http://www.peterlang.de/Index.cfm?vID=56113&vHR=1&vUR=2&vUUR=1&vLang=D
ANDRIOLI, Antônio Inácio/FUCHS, Richard (Hrsg.): Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen. Die schleichende Vergiftung von Böden und Nahrung. Lahnstein: emu-Verlag, 256 Seiten. ISBN: 3-89189-152-0
http://www.emu-verlag.de/product_info.php/products_id/856?osCsid=f3f5f5e1a96214bcaf79c1216559b005
* http://www.quetzal-leipzig.de/lateinamerika/brasilien/gensoja-in-brasilien-fluch-oder-segen.html
Die Landwirtschaft prägt die Geschichte und die Wirtschaftsstruktur Brasiliens. Diese Tatsache hängt mit der kontinentalen Größe des Landes, der Verfügbarkeit über enorme Naturressourcen und den sehr unterschiedlichen Klimazonen zusammen, die eine riesige biologische Vielfalt hervorgebracht haben und den Anbau der meisten Pflanzenarten der Welt ermöglichen. Diese natürlichen Potenziale wurden seit der Kolonisierung des Landes durch die Portugiesen erkannt, die nach der Vertreibung und Vernichtung großer Teile der indigenen Bevölkerung mit der wirtschaftlichen Ausnutzung begannen. Die Entdeckung von Edelmetallen und Edelhölzern sowie der danach folgende Anbau von Monokulturen wie Zuckerrohr, Kaffee, Kakao und Baumwolle, – offiziell bis 1888 noch mit dem Einsatz afrikanischer Sklaven durchgeführt –, bestimmen die meisten Exporte Brasiliens, u.a. nach Europa bis in die Gegenwart.
Die im 20. Jahrhundert begonnene kapitalistische Modernisierung der brasilianischen Landwirtschaft hat diese Wirtschaftsstruktur nicht aufgelöst. Im Gegenteil, sie basiert auf einer exportorientierten Strategie von Regierungen, um internationale Devisen zu erlangen und dadurch die Industrialisierung des Landes voranzutreiben. Insbesondere ab den 1950er Jahren wird neben den bekannten Monokulturen eine aus Asien stammenden Pflanze angebaut, die schrittweise zum inzwischen wichtigsten Exportprodukt Brasiliens wurde: die Sojabohne Glycine max, die seit Jahrtausenden in China gezüchtet wurde und dort breite Verwendung in der Ernährung findet. Riesige internationale Kredite wurden aufgenommen, um die Sojamonokultur einzuführen und den Bauern durch ein von der Regierung neu errichtetes Genossenschaftssystem subventioniert zur Verfügung gestellt. Die Bedingungen zur Bereitstellung der Kredite waren dennoch klar: Sie sollten zur Einführung der Sojaproduktion im Verbund mit dem Einsatz „moderner“ Agrartechnologien beitragen.
Brasilien: Gensoja-Feld
Infolgedessen wurden Maschinen und Ausrüstungen, modernes Saatgut, chemischeDüngemittel und Pestizide eingesetzt mit dem Ziel, die Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft und die Agrarexporte des Landes zu steigern. Ein Detail, das einen wichtigen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen dem Technikeinsatz und der Sozialstruktur gibt, besteht darin, dass die zunehmende Sojaproduktion durch die selben landwirtschaftlichen Genossenschaften vermarktet wurde, die den Bauern gleichzeitig Agrarberatung anboten und Betriebsmittel bereitstellten.
Damit große Flächen mit Soja zu geringen Kosten angebaut werden können, wird stark auf den Einsatz der Gentechnik gesetzt. Mit der Hoffnung, die Unkrautbekämpfung durch die Anwendung von Herbizid und geringerem Arbeitseinsatz zu erleichtern, zu verbilligen und dadurch den Ertrag zu steigern, wird in immer größerem Umfang die herbizidresistente Soja angebaut. Indem gentechnisch verändertes Saatgut jedoch als Eigentum eines Agrarkonzerns patentiert ist und durch die Verseuchung von Feldern eine herkömmliche Produktion verhindert wird, wird die Abhängigkeit der Bauern von technischen Inputs vollständig.
Durch das Inkrafttreten der Patentrechte der Pflanzenzüchter wurde für die großen Chemiekonzerne der Weg zur Kontrolle des Saatgut-Chemikalienmarktes geöffnet. Die Konzerne streben danach, die Landwirtschaft durch zu industrialisieren und die Abhängigkeit der Bauern von den Chemikalien zu intensivieren. Mit Hilfe der Gentechnik wird versucht, Pflanzensorten zu entwickeln, die den Verkauf von Chemikalien besser stimulieren können. Das neue Saatgut soll besonders bei Bauern in den Entwicklungsländern durch Angebote eingeführt werden, die sie nicht ablehnen können, und zu Preisen, die sie nicht bezahlen können. Damit die Gentechnik sich als Sachzwang in der lateinamerikanischen Landwirtschaft durchsetzen konnte, wurde mit der Taktik begonnen, zunehmend Felder durch eingeschmuggeltes Saatgut zu kontaminieren.
Monsanto - Gensoja in Brasilien: Fluch oder Segen?In diesem Sinne wird die Strategie von Monsanto in Brasilien gezielt durchgesetzt, und sie vollzieht sich in folgenden Schritten: a) Bauern an das Herbizid gewöhnen, was seit Anfang der neunziger Jahre mit der Methode der „direkten Aussaat“ im Gange ist; b) staatliche Forschung beeinflussen, besonders durch die Finanzierung von Forschungen und Forschungseinrichtungen sowie durch die Verbindung zu den Forschungsinstituten und deren Leitungen; c) Saatgutbetriebe im Inland aufkaufen und monopolisieren; d) ein Gebiet auswählen und Kontamination erwarten (in diesem Fall ist Argentinien das ursprüngliche Gebiet für Lateinamerika und das Bundesland Rio Grande do Sul innerhalb Brasiliens); e) Wissenschaftler und Politiker gezielt für die Interessen des Konzerns gewinnen; f) ein Netz von Agrarberatern partnerschaftlich durch die Gründung von Beratungsunternehmen einrichten, die im Auftrag des Konzerns oder durch dessen Finanzierung arbeiten; g) riesige Werbekampagnen durchführen, besonders im Fernsehen, in Radio und Zeitungen; h) erfolgreiche Bauern als Musterbetriebe in den ländlichen Gemeinden auswählen und u.a. mit Studienreisen unterstützen; i) vollendete Tatsachen schaffen, wodurch kritische Argumente in der Öffentlichkeit an Bedeutung verlieren; j) günstige Angebote für Herbizide und Saatgut machen (also zunächst frei von Lizenzgebühren); k) gesetzliche Rahmenbedingungen durch Lobbyarbeit bzw. Einfluss auf Parlamente und Regierungen erzwingen; l) Partnerorganisationen für die Kontrolle gewinnen: Die Genossenschaften und weitere Agrarunternehmen, die für den Aufkauf der Produktion und die Versorgung mit Betriebsmitteln (insbesondere Saatgut und Herbizid) zuständig und bereit sind, für einen Anteil der Einnahmen bei den Bauern die Zahlung von Lizenzgebühren einzufordern.
Durch die Konzentration im Bereich der Agrargentechnik wächst das Forschungs- und Investitionspotenzial der Agrarkonzerne, die durch ihre oligopolistische, marktbeherrschende Stellung bei der Preisbildung für neue technische Produkte ausschlaggebend sind und die Entscheidungen der Bauern bei der Auswahl und dem Einsatz von Technik beeinflussen. Das Expansionspotenzial der Agrarindustrie im Bereich der Technikforschung macht die Investitionen in der Landwirtschaft insofern attraktiv, als es durch die Patentrechte möglich ist, einen bedeutenden Anteil der Resultate der Entwicklung der Produktivkräfte privat anzueignen. Das Weiterbestehen der Kleinbauern wird in diesem Kontext als Marktchance zum Angebot technischer Produkte gesehen und nicht komplett vernichtet, solange es dem Kapital noch nützlich ist, d.h. solange es zu dessen Akkumulation beiträgt.
Die Existenz der Kleinbauern als individuelle Produzenten wird durch den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft in dem Maße erschwert, wie sie durch die schleichende gentechnische Verseuchung gezwungen werden, der Strategie der Agrarkonzerne zu folgen. Diese vertieft die Abhängigkeit, Verschuldung und Verarmung der Kleinbauern, deren tendenzieller Ausschluss vom Produktionsprozess die Landkonzentration vertieft, die Landflucht beschleunigt und die Zahl von Landlosen und zugleich Arbeitslosen erhöht, eine Tendenz, die stark zur wachsenden sozialen Ungleichheit in Brasilien beiträgt. Vor diesem Hintergrund ist die gegenwärtige Ausbreitung der Gentechnik in der Sojaproduktion zu beobachten, die seit 1999 durch eingeschmuggeltes Saatgut aus Argentinien in den Grenzgebieten stattfindet.
Bauern, die in Brasilien noch auf kleinen Anbauflächen produzieren, werden durch die Ausbreitung der Genpflanzen am meisten betroffen. Passen sie sich der neuen Technologie an, werden sie noch abhängiger von den Konzernen, und die Mehrheit von ihnen wird wahrscheinlich vom Produktionsprozess zu Gunsten der Großproduzenten ausgeschlossen. Leisten sie Widerstand, besteht dennoch die Gefahr, dass ihre Grundfläche von den Genpflanzen der Nachbarn kontaminiert wird, was es für sie unmöglich macht, herkömmliche Sorten zu produzieren.
Biohazard - Gensoja in Brasilien: Fluch oder Segen?Der Einsatz der Gentechnik in der brasilianischen Sojaproduktion intensiviert die Freisetzung von Destruktivkräften, die sich zugleich auf Natur und die auf dem Lande arbeitenden und lebenden Menschen auswirken. Die Privatisierung von natürlichen Ressourcen und von Wissen zugunsten multinationaler Agrarkonzerne und Großgrundbesitzer vertieft die soziale Ungleichheit in der brasilianischen Gesellschaft, und die Chancen des Widerstands durch die individuellen Kleinproduzenten und Verbraucher werden erheblich eingeschränkt. Während das Kapital, insbesondere Betriebsmittel, Kredite sowie die Verarbeitungs- und Vermarktungsstruktur landwirtschaftlicher Produktion zunehmend monopolisiert werden, stehen die selbst arbeitenden Bauern unter dem Druck, mit Hilfe von Technik untereinander um ihr Überleben zu konkurrieren. Die kleinbäuerliche Familienlandwirtschaft neigt dazu, sich aufgrund der angeblichen Arbeitserleichterung und -ersparnis an die beschriebene interessengeleitete Technikentwicklung anzupassen und dadurch zerstört zu werden. Der Biosojaanbau stellt aufgrund der herrschenden Agrarstruktur keine umfassende Alternative für die Familienbetriebe dar, und mögliche Perspektiven der Agrarökologie hängen stark von einer Zunahme genossenschaftlicher Organisation von Kleinbauern und Konsumenten ab. Gerade weil die in der Landwirtschaft zusammenhängenden ökonomischen, ökologischen und sozialen Probleme die materielle Existenz der Kleinbauern bedrohen, könnten kollektive Ansätze eine Chance eröffnen. Die Selbstorganisation der von der kapitalistischen Modernisierung der Landwirtschaft betroffenen Menschen würde einen gemeinsamen Lern-, Politisierungs- und sozialen Mobilisierungsprozess erlauben, der die Voraussetzung für eine andere Entwicklungsdynamik wäre.
Antônio Inácio Andrioli, geb. 1974 in Südbrasilien, ist Dozent an der Unijuí, Brasilien, sowie am Institut für Soziologie an der Johannes Kepler Universität Linz, Österreich. Antonio.Andrioli@jku.atDiese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.
Bücher des Autors zu dem Thema:
ANDRIOLI, Antonio Inácio: Biosoja versus Gensoja: Eine Studie über Technik und Familienladwirtschaft im nordwestlichen Grenzgebiet des Bundeslandes Rio Grande do Sul/Brasilien. Frankfurt am Main: Peter Lang, 348 Seiten. ISBN 978-3-631-56113-3
http://www.peterlang.de/Index.cfm?vID=56113&vHR=1&vUR=2&vUUR=1&vLang=D
ANDRIOLI, Antônio Inácio/FUCHS, Richard (Hrsg.): Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen. Die schleichende Vergiftung von Böden und Nahrung. Lahnstein: emu-Verlag, 256 Seiten. ISBN: 3-89189-152-0
http://www.emu-verlag.de/product_info.php/products_id/856?osCsid=f3f5f5e1a96214bcaf79c1216559b005
* http://www.quetzal-leipzig.de/lateinamerika/brasilien/gensoja-in-brasilien-fluch-oder-segen.html
Freitag, 11. Dezember 2009
Donnerstag, 10. Dezember 2009
GENTECHNIKVERBOT GESETZLICH VERANKERN !
Eine gute Initiative einiger Initiativen für ein gentechnikfreies Österreich:
Die von den BIONIEREN und 3 weiteren Initiatoren unterzeichnete Forderung nach einem GENTECHNIKVERBOT wird per eingeschriebenen Briefsendungen versandt. Folgende Regierungsmitglieder wurden mit gleichlautenden Texten adressiert: Bundesminister Stöger, Bundesminister Berlakovich, Vizekanzler Pröll, Bundeskanzler Faymann und Bundespräsident Fischer. Allen anderen Regierungsmitglieder (National- und Bundesrat), sowie Landeshauptleute, Landesräte, Bezirksräte, Gemeinden, Initiativen, Vereine, Verbände und private Mitstreiter erhalten die Forderung in Kopie mit der Aufforderung um tatkräftige Unterstützung.
Ein Gentechnikverbotsgesetz würde bald gegen EU-Richtlinien kollidieren. Die EU-Kommission genehmigt laufend neue GMO-Saatgutsorten. Dann wäre Österreich in letzter Konsequenz zur Strafzahlung verflichtet. Deswegen muss die übertragenen Hoheiten an die Gemeinschaftsorgane der EU begrenzen, sodass ein gentechnikfreies Österreich gesichert ist und der Volkswille umgesetzt ist.
600.000 Tonnen gentechnisch verändertes Futtermittel (Gensoja) werden bereits importiert und an unsere Tiere verfüttert. Dieser Mißstand muss aufhören!
Die von den BIONIEREN und 3 weiteren Initiatoren unterzeichnete Forderung nach einem GENTECHNIKVERBOT wird per eingeschriebenen Briefsendungen versandt. Folgende Regierungsmitglieder wurden mit gleichlautenden Texten adressiert: Bundesminister Stöger, Bundesminister Berlakovich, Vizekanzler Pröll, Bundeskanzler Faymann und Bundespräsident Fischer. Allen anderen Regierungsmitglieder (National- und Bundesrat), sowie Landeshauptleute, Landesräte, Bezirksräte, Gemeinden, Initiativen, Vereine, Verbände und private Mitstreiter erhalten die Forderung in Kopie mit der Aufforderung um tatkräftige Unterstützung.
Ein Gentechnikverbotsgesetz würde bald gegen EU-Richtlinien kollidieren. Die EU-Kommission genehmigt laufend neue GMO-Saatgutsorten. Dann wäre Österreich in letzter Konsequenz zur Strafzahlung verflichtet. Deswegen muss die übertragenen Hoheiten an die Gemeinschaftsorgane der EU begrenzen, sodass ein gentechnikfreies Österreich gesichert ist und der Volkswille umgesetzt ist.
600.000 Tonnen gentechnisch verändertes Futtermittel (Gensoja) werden bereits importiert und an unsere Tiere verfüttert. Dieser Mißstand muss aufhören!
Abonnieren
Posts (Atom)